Solar-Pionier Sonnen meldet Insolvenz nach Übernahme
Der Batteriespeicherhersteller Sonnen mit Sitz in Wildpoldsried hat am Donnerstag Insolvenz angemeldet. Laut Berichten soll das Bestandsgeschäft einschließlich Service für mehr als 150.000 Kunden zunächst weitergeführt werden, während zahlreiche Tochtergesellschaften abgewickelt oder in Insolvenz in Eigenverwaltung überführt werden sollen.
Medienberichten zufolge ist nur ein Produktionsstandort des Konzerns vorgesehen, erhalten zu bleiben. Dem Handelsblatt zufolge bezeichneten dem Unternehmen nahestehende Personen die Lage als „hochgradig dysfunktional“ und sprachen von erheblichen Fehlentscheidungen in den vergangenen Jahren. Recherchen des PV Magazine hatten bereits vor der Übernahme Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells geäußert.
Sonnen war lange als Pionier für intelligente Heimspeicher und die Vernetzung von Speichern zu virtuellen „Schwarm“-Kraftwerken bekannt. Die operative Tochtergesellschaft Sonnen GmbH verzeichnete nach Angaben im Artikel erhebliche Einbrüche: Der Umsatz soll von 264 Millionen Euro 2023 auf 78 Millionen Euro 2024 gefallen sein; gleichzeitig wuchs der Verlust demnach von 9 auf 107 Millionen Euro. Als Gründe nennt das Unternehmen einen starken Rückgang des Heimspeichermarkts, Marktsättigung, den Wegfall von Förderprogrammen und Fehleinschätzungen im Wettbewerb mit günstigeren Anbietern aus China. Für 2024 gibt Sonnen eigenen Angaben zufolge einen Verkauf von 6.773 Systemen an, ein Rückgang von fast vier Fünftel gegenüber 2023.
Gegründet wurde Sonnen 2010 von Christoph Ostermann. Frühphaseninvestoren wie GE Ventures beteiligten sich, und Anfang 2019 übernahm Shell das Unternehmen – für eine in der Berichterstattung kolportierte Summe von rund 500 Millionen Euro. Shell investierte nach Angaben der Quelle weiter, stellte das Geschäft aber später zur Disposition und bot die Tochter 2023 zum Verkauf an.
Im August dieses Jahres wurde Sonnen an den Investor Tiven verkauft; Tiven, hinter dem der Unternehmer Gert Purkert steht, hatte angekündigt, das Unternehmen zu restrukturieren. Nicht einmal zwei Monate nach der Übernahme meldete Sonnen nun Insolvenz an. In sozialen Medien bezeichneten langjährige Beschäftigte den Vorgang als „traurigen Tag“ für Belegschaft und Branche.
