EZB: Einlagenzins 2,50% – Experten halten weitere Erhöhung für möglich
Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte den Einlagenzins im Juni zunächst auf 2,25 Prozent und nahm im September eine weitere Anhebung auf 2,50 Prozent vor. Die Notenbank begründete den Schritt mit anhaltendem Inflationsdruck, unter anderem infolge des Konflikts im Nahen Osten; eine Zinssenkung für 2026 gilt in dem Bericht als eher unwahrscheinlich.
Für die kurzfristige Zinsentwicklung nennen Marktteilnehmer unterschiedliche Szenarien. Robert Greil, Chefstratege des Vermögensverwalters Merck Finck, rechnet nach einer erwarteten Pause zunächst mit keiner unmittelbaren Fortsetzung, hält aber „eine weitere Erhöhung im Dezember“ für wahrscheinlich; ein zusätzlicher Schritt um 0,25 Prozentpunkte würde den Einlagenzins auf 2,75 Prozent bringen. Die letzte geldpolitische Sitzung der EZB in diesem Jahr sei für den 17. Dezember terminiert.
Jasmin Ehlert, Chefanalystin der Zinsplattform Raisin, hatte vor der September-Sitzung noch damit gerechnet, dass der Einlagensatz bis Jahresende bei 2,5 Prozent bleiben würde. Inzwischen sieht sie für Dezember ebenfalls eine mögliche Erhöhung, erwartet danach aber vorrangig eine Pause; ob und wann Zinssenkungen folgen, hänge von der weiteren Inflationsentwicklung ab.
Die EZB-Projektionen vom September nennen eine durchschnittliche Inflation von 3,0 Prozent für 2026 und 2,5 Prozent für 2027; ohne Energie und Nahrungsmittel lag die Teuerungsrate für 2027 in den Projektionen bei 2,6 Prozent. Die Notenbank betont, von Sitzung zu Sitzung anhand verfügbarer Daten zu entscheiden.
Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, hebt die Rolle der Energiepreise hervor: Bleiben höhere Energiekosten persistent und schlagen sie auf andere Preise durch, könnten auch 2027 weitere Erhöhungen nötig werden; dämpft sich der Energiestauch, wäre hingegen zunächst ein Verharren möglich, in einem optimistischen Szenario sogar eine Kehrtwende. Für Sparer bedeutet ein weiteres Zinsanstiegspotenzial, dass Konditionen bei Tages- und Festgeld weiter anziehen könnten.
