BASF erhöht Angebot für Evonik auf rund 24 Euro je Aktie
BASF hat nach Informationen von dpa-AFX und der Deutschen Presse-Agentur dem Spezialchemiekonzern Evonik ein erhöhtes Kaufangebot vorgelegt. Demnach solle der Preis bei rund 24 Euro je Evonik-Aktie liegen, was einem Gesamtwert von etwas mehr als 11 Milliarden Euro entspreche. Zuvor war in unbestätigten Berichten ein Angebot von 22,15 Euro je Aktie (rund 10,3 Milliarden Euro) genannt worden. Bloomberg hatte zuvor über mögliche Verhandlungen berichtet; eine Stellungnahme der Unternehmen lag auf Nachfrage nicht vor.
Die Meldung löste an den Märkten eine Kursreaktion aus: Der Aktienkurs von Evonik stieg am frühen Freitagnachmittag laut Quelle auf zuletzt 21,34 Euro und damit um gut drei Prozent gegenüber dem Vortag. Beobachter hatten eine mögliche Erhöhung des Angebots bereits erwartet.
Für die Erfolgsaussichten einer Übernahme ist die RAG-Stiftung von besonderer Bedeutung. Die Stiftung, die zur dauerhaften Finanzierung der Folgekosten des eingestellten deutschen Steinkohlebergbaus gegründet wurde, hält nach Angaben der Berichterstattung derzeit rund 43 Prozent der Evonik-Aktien. Ende September hatten die beteiligten Unternehmen und die RAG-Stiftung bereits öffentlich gemacht, dass ein Übernahmeangebot vorliegt.
Neben dem Preis spielt in den Verhandlungen laut Quelle auch die politische und soziale Dimension eine Rolle. In einer Videobotschaft erklärte BASF-Chef Markus Kamieth, dass BASF bei einem Erwerb bestehende Standortvereinbarungen übernehmen und betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 ausschließen würde. Er sagte, Tarifverträge und Sozialpartnerschaft blieben unangetastet und BASF wolle in Ausbildung investieren; Essen und Nordrhein-Westfalen sollten weiterhin als Standorte erhalten bleiben, inklusive mindestens eines Vorstandsressorts und Leitungsfunktionen. Kamieth verwies zudem auf den geplanten Verkauf des Chemieparkbetreibers Syneqt und äußerte, BASF könne die Parks in Marl und Wesseling selbst weiter betreiben.
Der Vorsitzende des BASF-Betriebsrats, Sinischa Horvat, nannte gegenüber dem Mannheimer Morgen Chancen für den Chemiestandort Deutschland, betonte zugleich aber, eine Übernahme müsse Perspektiven für Unternehmen, Standorte und Beschäftigte eröffnen. Er verlangte Jobsicherheit für das BASF-Stammwerk Ludwigshafen sowie Investitionen in den Standort und warnte davor, die bestehende Standortvereinbarung zu gefährden.
Würde die Übernahme zustande kommen, wäre sie nach Einschätzung der Berichterstattung die größte Fusion in der deutschen Chemiebranche. Bislang sind nach den verfügbaren Informationen jedoch keine offiziellen Verhandlungen oder bestätigten Vereinbarungen zwischen den Konzernen öffentlich gemacht worden.
