EZB vor Oktobersitzung: Frankreichs Renditesprung erzwingt Debatte
Der EZB-Rat kommt am kommenden Donnerstag zu seiner Oktober-Zinssitzung zusammen; die meisten Beobachter erwarten, dass der wichtigste Leitzins, der Einlagensatz, vorerst auf 2,5 Prozent verbleibt, obwohl die Inflationsrate im Euroraum zuletzt auf 3,8 Prozent gestiegen ist.
Im Fokus der Debatte stehen die stark gestiegenen Renditen französischer Staatsanleihen: Die Rendite der zehnjährigen Anleihe hat diese Woche die Marke von fünf Prozent überschritten, ein Niveau, das laut dem Artikel höher liegt als in der Eurokrise. Ökonomen warnen, dass ein anhaltender Spread-Anstieg das Vertrauen in betroffene Märkte beeinträchtigen könnte und fordern von der EZB klare Signale.
Aus dem Kreis der Notenbanker und Analysten werden drei prinzipielle Eingriffsmöglichkeiten genannt. Am wahrscheinlichsten erscheinen verbale Interventionen, heißt es; dies würden Bekräftigungen und Klarstellungen in der Kommunikation der EZB umfassen. Als harte Instrumente werden das Transmission Protection Instrument (TPI), eine Verlangsamung des laufenden Bilanzabbaus beziehungsweise Umschichtungen in den Anleiheportfolios sowie eine reduzierte Erwartung weiterer Zinsschritte diskutiert. Das TPI wird in der Analyse als «letzte Option» bezeichnet; Karsten Junius von J. Safra Sarasin nennt eine Aktivierung derzeit schwer zu rechtfertigen, Jörg Krämer (Commerzbank) spricht von einer «Nuklearoption».
Auch die Möglichkeit, den Abbau der Anleihebestände zu bremsen oder umzuschichten, wurde von Marktteilnehmern wie Goldman Sachs und der DZ-Bank-Chefvolkswirtin Sonja Marten ins Spiel gebracht; Lorenzo Bini Smaghi hat ähnliches vorgeschlagen. Kritik kommt dagegen von Bundesbankpräsident Joachim Nagel, der betont, die Zinspolitik solle nicht an den Staatsfinanzierungskosten einzelner Länder ausgerichtet werden.
Marktpreise signalisieren laut Bericht nur noch eine rund 65-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung im Dezember. ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann plädiert für eine ausgefeilte Kommunikationsstrategie: Die EZB solle offenlegen, in welchen Szenarien sie welches Instrument einsetzen würde, und damit Marktteilnehmer gezielt beruhigen, ohne automatische Unterstützung zu signalisieren.
Ebenfalls erwähnt wird, dass Personalentscheidungen in der EZB anstehen – mögliche Wechsel im Spitzenpersonal könnten die Debatte und die langfristige Ausrichtung der Geldpolitik beeinflussen. Am Donnerstag dürften die Karten in der Öffentlichkeit klarer werden, so der Artikel.
