Australiens Wirtschaft unter Druck: Inflation bleibt hoch trotz Zinsanstiegen

Australiens Wirtschaft gerät nach Einschätzung von Regierung und Märkten zunehmend unter Druck. Trotz bereits vierer Leitzinserhöhungen in diesem Jahr liegt der Leitzins der Reserve Bank of Australia (RBA) bei 4,6 Prozent, während die Kerninflation seit Monaten bei 3,6 Prozent verharrt und damit oberhalb des Zielkorridors von 2 bis 3 Prozent bleibt.

Finanzminister Jim Chalmers will laut Reuters in einer für Freitag geplanten Rede beim Citi A50 Economic Forum in Sydney auf die wachsenden Risiken für die Konjunktur hinweisen. Das Finanzministerium überarbeitet demnach seine Wirtschaftsprognosen für die im Dezember geplante Haushaltsaktualisierung. Höhere Verbraucherpreise und die restriktive Geldpolitik belasteten private Haushalte und dämpften die wirtschaftliche Aktivität, heißt es in den übermittelten Informationen.

Der Arbeitsmarkt zeigt eine deutliche Abschwächung: Im September stieg die Arbeitslosenquote auf 4,7 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit fünf Jahren. Zugleich erhöhen gestiegene Ölpreise infolge des Nahostkonflikts den Inflationsdruck durch höhere Energie- und Transportkosten. An den Finanzmärkten wird deshalb bereits mit weiteren Zinsschritten gerechnet; Händler bewerten die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Anhebung im November um 0,25 Prozentpunkte auf etwa 64 Prozent.

Als möglichen Gegenpol zur schwächeren privaten Nachfrage führt Chalmers die Unternehmensinvestitionen an. Diese könnten dem Finanzminister zufolge im laufenden Jahr um mehr als fünf Prozent zulegen und damit deutlich stärker wachsen als noch in früheren Erwartungen angenommen. Ob dieser Investitionsschub ausreicht, um die Abkühlung von Wachstum und Konsum auszugleichen, bleibt unklar.

Für Anleger und Volkswirtschaften bedeuten anhaltend hohe Inflation und zusätzliche Zinsschritte ein herausforderndes Umfeld: Besonders Immobiliensektor, Einzelhandel und stark verschuldete Unternehmen könnten Belastungen spüren, gleichzeitig könnte eine schwächere Konsumnachfrage die Unternehmensgewinne unter Druck setzen. Die nächste geldpolitische Entscheidung der RBA steht am 3. November an; maßgebliche Inflationsdaten werden vorab genau beobachtet. Die Währung EUR/AUD wurde zum Zeitpunkt der Veröffentlichung mit einem Minus von -0,02% und einem Kurs von 1,598 AUD gehandelt (22. Oktober 2026, 13:58 Uhr).

Quelle: Wallstreet Online – Originalbericht

Ähnliche Beiträge